Über Rheumatoide Arthritis

Was ist Rheumatoide Arthritis?

Bei der Rheumatoiden Arthritis (frühere Bezeichnung: chronische Polyarthritis) handelt es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung, die vorwiegend die Gelenke befällt. Arthritis bedeutet Gelenkentzündung. Darüber hinaus können jedoch auch weitere Organe bzw. Organsysteme betroffen sein. Die Rheumatoide Arthritis gehört zu einer Gruppe von chronisch entzündlichen (Gelenk-)Erkrankungen, die häufig unter dem Begriff „Rheuma“ zusammengefasst werden.

Häufigkeit und Zeitpunkt des Auftretens der Rheumatoiden Arthritis

Etwa 45’000 Menschen in der Schweiz leiden unter einer Rheumatoiden Arthritis, wobei Frauen etwa zwei- bis dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. Bei den meisten Patienten tritt die Krankheit im Alter von etwa 40 Jahren auf; es können jedoch Menschen jeder Altersgruppe erkranken, sogar Kinder. Etwa 5% aller Rheuma-Patienten sind jünger als 16 Jahre.

Die wichtigsten Symptome der Rheumatoiden Arthritis

Die Hauptsymptome bei der Rheumatoiden Arthritis sind Schmerzen und Schwellungen in den betroffenen Gelenken, oft begleitet von Rötung und Überwärmung. Auch die Weichteile in der Umgebung der Gelenke sind häufig in Mitleidenschaft gezogen. Typischerweise treten die Beschwerden eher in Ruhe auf und bessern sich durch Bewegung oder auch bei Kälteeinwirkung. Viele Patienten leiden zudem unter einer „Morgensteifigkeit“ der Gelenke, die einige Minuten bis zu mehreren Stunden andauern kann. Darunter versteht man, dass die Gelenke morgens nach dem Aufstehen bzw. nach längerer Ruhigstellung steif und unbeweglich sind. Bei manchen Patienten bilden sich infolge der Entzündung des Bindegewebes an den Gelenken kleine tastbare Knötchen unter der Haut, die als Rheumaknoten bezeichnet werden.
Insbesondere bei einem akuten Erkrankungsschub kann es zu einer Erhöhung der Körpertemperatur oder Fieber kommen. Viele Patienten leiden zudem unter allgemeinen Begleitsymptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, allgemeinem Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und/oder gedrückter Stimmung.
Grundsätzlich kann jedes Gelenk befallen sein. Vor allem zu Beginn der Erkrankung sind am häufigsten kleine Gelenke betroffen, insbesondere die Fingergrund- und -mittelgelenke sowie die Zehengrundgelenke. Zumeist sind mehrere Gelenke gleichzeitig entzündet. Unbehandelt schreitet die Erkrankung in der Regel fort, sodass im weiteren Verlauf immer mehr Gelenke betroffen sind. Oft kommt es dann auch zu einer Beteiligung der grösseren Gelenke an Armen (Schulter, Ellbogen), Händen, Beinen (Hüfte, Knie, Sprunggelenk) und Füssen. In der Regel findet sich ein symmetrisches Befallsmuster, d.h. die entzündeten Gelenke sind auf beide Körperhälften gleichmässig verteilt.
Wird die Rheumatoide Arthritis nicht ausreichend behandelt, kann die Schädigung des Gelenkknorpels und des Knochens schliesslich zur Verformung und Fehlstellung des Gelenks und zu Beeinträchtigungen oder Verlust der Beweglichkeit führen.
Neben den Gelenken können auch andere Strukturen des Bewegungsapparates (z.B. Sehnenscheiden, Schleimbeutel), innere Organe (z.B. Herz, Lunge), Nerven oder Blutgefässe von der Entzündung betroffen sein.

Die wichtigsten Merkmale der Rheumatoiden Arthritis:

Treffen vier dieser Merkmale zu, liegt wahrscheinlich eine „Rheumatoide Arthritis“ vor. Sie zeigt sich besonders häufig an den Fingergelenken, aber auch an Knien, Schultern und den Fussgelenken.

Diagnose der Rheumatoiden Arthritis

Nicht immer ist die Diagnose einer Rheumatoiden Arthritis einfach zu stellen. Vor allem zu Beginn der Erkrankung können die Symptome noch sehr uncharakteristisch und Untersuchungsbefunde unauffällig sein. Zur Diagnosestellung gehört zunächst eine eingehende Befragung (Anamnese) sowie eine allgemeine und gezielte körperliche Untersuchung durch den Arzt unter besonderer Berücksichtigung des Gelenkzustands (Gelenkstatus). Darüber hinaus dienen weitere Untersuchungsverfahren zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle bei der Rheumatoiden Arthritis.
Zu den wichtigen Laboruntersuchungen zählen die Messung der Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) und der Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blutserum. Beide Werte geben Hinweise auf eine Entzündung im Körper, wenn sie erhöht sind. Der so genannte Rheumafaktor (RF) ist im ersten halben Jahr bei etwa der Hälfte und später bei etwa zwei Dritteln der Patienten mit Rheumatoider Arthritis im Serum nachweisbar (positiv), seltener auch bei Gesunden oder Patienten mit anderen rheumatischen oder Lebererkrankungen.
Ein relativ neues Verfahren ist die Bestimmung der Anti-CCP-Antikörper (= Antikörper gegen cyclische citrullinierte Peptide). Diese Eiweissstoffe sind sehr spezifisch für die Rheumatoide Arthritis und können bereits in frühen Krankheitsstadien auf die Krankheit hinweisen.
Auch Befunde aus bildgebenden Verfahren leisten einen wichtigen Beitrag zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle bei der Rheumatoiden Arthritis. Neben herkömmlichen Röntgenaufnahmen werden im Wesentlichen die Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) und die auf Ultraschalltechnik beruhende Gelenksonografie eingesetzt. In Röntgenaufnahmen sind die wichtigsten Veränderungen am Knorpel und Knochen, nicht jedoch an den benachbarten Weichteilen erkennbar. Hingegen lassen sich mit Hilfe der Magnetresonanztomografie Veränderungen an allen Geweben auch schon im frühen Erkrankungsstadium darstellen. Die Gelenksonografie ermöglicht es, Entzündungsprozesse in der Gelenkinnenhaut zu erkennen.

Ursachen und Entstehung der Rheumatoiden Arthritis

Die Rheumatoide Arthritis ist eine so genannte Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass der Erkrankung eine Störung von Funktionen des Immunsystems zugrunde liegt. Entzündungsprozesse im Körper führen zu einer Aktivierung des Immunsystems, das normalerweise zur Abwehr von Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren dient. In diesem Fall richtet es sich jedoch nicht gegen Eindringlinge von aussen, sondern gegen körpereigenes Gewebe, nämlich die Innenhaut der Gelenkkapsel (Synovialis). Diese sorgt normalerweise für die reibungslose Beweglichkeit des Gelenks und produziert eine Art Gleitmittel, die Synovialflüssigkeit (Synovia), die den Gelenkspalt ausfüllt und die Gelenkflächen vor mechanischer Abnutzung schützt.
Infolge der Aktivierung des Immunsystems wird eine Kettenreaktion von Prozessen in Bewegung gesetzt, die durch Botenstoffe vermittelt werden. Doch anstatt Krankheitserreger zu vernichten, wird dort eine Entzündung hervorgerufen. Während „normale“, akute Entzündungen abklingen, nachdem ihre Ursache – z.B. der Erreger – vernichtet ist, bleibt die Entzündung bei der Rheumatoiden Arthritis über längere Zeit bestehen, die Entzündung wird „chronisch“. Deshalb bezeichnet man diese Art von Krankheiten auch als „chronisch entzündliche Erkrankungen“.
Infolge der anhaltenden Entzündung im Gelenk kommt es dort zur Ansammlung von Gelenkflüssigkeit (Erguss) und Zellen des Immunsystems sowie zu gesteigertem Wachstum von Bindegewebe mit zunehmender Verdickung der Gelenkinnenhaut. Diese Veränderungen führen zu Schwellungen und bereiten Schmerzen. Wenn sich die Wucherung des Bindegewebes (Pannus) weiter ausbreitet, kommt es zur Schädigung des Gelenkknorpels und des benachbarten Knochens.

Bedeutung des Immunsystems

Warum sich das Immunsystem gegen eine körpereigene Struktur richtet, ist bis heute nicht bekannt. Einiges hat die Forschung aber über die Vielfalt von Substanzen und Zellen herausgefunden, die im Verlauf des Entzündungsprozesses gebildet werden. Bei vielen der Botenstoffe, die Signale von einer Zelle zur nächsten übertragen, kennt man die Aufgaben bereits ziemlich genau. Diese Botenstoffe nennt man auch Zytokine. Ein Zytokin, das im Entzündungsvorgang eine zentrale Rolle spielt, ist der Tumornekrosefaktor alpha oder kurz TNF-α.

Welche Rolle spielt der Botenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α)?

Der Botenstoff TNF-α wirkt in erster Linie entzündungsfördernd (pro-inflammatorisch) und spielt im Entzündungsprozess bei der Rheumatoiden Arthritis und anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen eine Schlüsselrolle. Sein Name wird seinen vielfältigen Aufgaben nicht gerecht: TNF-α spielt bei jeder Art von Entzündung eine wichtige Rolle, allerdings wurde er im Zusammenhang mit Tumoren zum ersten Mal beschrieben. Er wird von Zellen des Immunsystems gebildet und führt dann zur Freisetzung anderer Botenstoffe, welche die Entzündung wiederum vorantreiben und unterhalten. Zusätzlich wird die Nachproduktion von TNF-α stimuliert, so dass die Entzündung immer weiter bestehen bleibt. In den befallenen Gelenken von Patienten mit Rheumatoider Arthritis können hohe Konzentrationen von TNF-α nachgewiesen werden.

Einblicke in die Rheumatoide Arthritis


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