Über Psoriatische Arthritis
Was ist Psoriatische Arthritis?
Bei der Psoriatischen Arthritis handelt es sich um eine chronisch entzündliche Gelenkerkrankung, die meist mit einer Psoriasis (Schuppenflechte) einhergeht. Die Hautveränderungen der Psoriasis und die Symptome der Gelenkentzündungen treten dabei nicht immer gleichzeitig auf. Bei etwa zwei Dritteln der Patienten gehen die charakteristischen Hautveränderungen der Gelenkbeteiligung um Monate bis Jahre voraus. Bei einem weiteren Drittel der Patienten wird zuerst eine Arthritis diagnostiziert. Hauterscheinungen treten dabei entweder gleichzeitig oder erst zu einem späteren Zeitpunkt auf.
Leidet ein Patient mit einer Psoriasis zusätzlich an Gelenkbeschwerden, ist es daher wichtig, an einen Zusammenhang mit der Hauterkrankung zu denken. Veränderungen an Gelenken können dabei auf eine Psoriatische Arthritis hinweisen.
Häufigkeit der Psoriatischen Arthritis
Die Psoriasis (Schuppenflechte) gilt als eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Hauterkrankungen, da etwa 2% der Bevölkerung weltweit davon betroffen sind. Die Psoriatische Arthritis (kurz PsA) betrifft dabei 5-30% der Psoriasis-Patienten, was ungefähr 0.1-0.2% der gesamten Bevölkerung entspricht (ein Betroffener auf 1000 Personen). Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Bei den meisten Patienten tritt die Krankheit erstmalig zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr auf; sie kann jedoch grundsätzlich in jedem Alter beginnen. Selten erkranken auch Kinder unter 16 Jahren an einer Psoriatischen Arthritis.
Symptome der Psoriatischen Arthritis
Charakteristische Merkmale der Psoriatischen Arthritis sind:
- Schmerzhafte, geschwollene oder druckempfindliche Gelenke
- Morgensteifigkeit der Gelenke
- Eine eingeschränkte Beweglichkeit
Die Arthritis (Gelenkentzündung) verläuft meist schleichend. Anfänglich besteht häufig eine länger dauernde Entzündung eines oder nur weniger Gelenke, bevorzugt an einzelnen Fingern oder Zehen, aber auch an Knie- oder Sprunggelenken. Bei bis zu 30% der Patienten kann auch die Wirbelsäule betroffen sein. Im Verlauf können sich Entzündungen in Sehnen, im Knorpelbereich und in anderen Organen (z.B. Augen oder Lungen) entwickeln.
Der Verlauf der Erkrankung ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und reicht von ganz milden bis hin zu schweren Arthritiden mit Gelenkveränderungen. In der Regel handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Erkrankung, so dass im Laufe der Zeit eine zunehmende Anzahl von Gelenken betroffen ist.
Unterschiedliche Verlaufsformen
Bei der Psoriatischen Arthritis können fünf verschiedene Verlaufsformen unterschieden werden:
- Psoriatische Arthritis mit bevorzugter Beteiligung der Fingergelenke und Nagelveränderungen
- Schwere, mit Gelenkverformungen einhergehende Psoriatische Arthritis mit Verknöcherungen / Gelenksteifigkeit und zu Fehlstellung führenden Gelenkveränderungen (Arthritis mutilans)
- Symmetrische Arthritis mit Befall mehrerer Gelenke (ähnlich der Rheumatoiden Arthritis)
- Befall eines Gelenkes oder nur weniger Gelenke
- Psoriatische Arthritis mit Beteiligung der Wirbelsäule
Übergangs- und Mischformen sind möglich.

Bild links: Befall der Fingergelenke
Bild Mitte: Schwere, deformierende Form der Psoriatischen Arthritis
Bild rechts: Psoriatische Arthritis mit symmetrischem Verlauf (ähnlich der Rheumatoiden Arthritis
Diagnose der Psoriatischen Arthritis
Um eine Diagnose der Psoriatischen Arthritis zu sichern, müssen andere, ähnliche Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Rheumatoide Arthritis und die Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew). Nebst Aufnahme der Anamnese (Beschwerden, Befallsmuster der Gelenke etc.) unterstützen auch bestimmte Labortests und die Beurteilung von Röntgenaufnahmen die Diagnosestellung. Insbesondere betroffene Gelenke können auf Röntgenbildern charakteristische Veränderungen zeigen, die auf eine Arthritis hinweisen.
Eine Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und des C-reaktiven Proteins weist auf einen entzündlichen Prozess im Körper hin. Diese Werte sind allerdings nicht spezifisch für die Psoriatische Arthritis, sondern sind allgemein bei entzündlichen Prozessen erhöht. Ein weiterer Laborwert, der so genannte Rheumafaktor, ein Eiweissstoff, der bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis typischerweise im Blutserum nachweisbar respektiv positiv ist, ist bei der Psoriatischen Arthritis meist negativ.
Ebenfalls deuten aktuelle oder frühere Hautveränderungen beim Patienten selbst oder bei nahen Verwandten auf eine Psoriatische Arthritis hin. Bis zu 40% der Patienten mir Psoriatischer Arthritis haben üblicherweise Familienangehörige, bei denen schon einmal eine Psoriasis oder Psoriatische Arthritis aufgetreten ist.

Typische Veränderungen im Röntgenbild bei Psoriatischen Arthritis an der Wirbelsäule (Bild Links) und an den Daumengelenken (Bild Rechts)
Ursachen der Psoriatischen Arthritis
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei der Psoriatischen Arthritis um eine chronisch entzündliche Gelenkerkrankung. Ähnlich wie bei der Abwehr von Krankheitserregern wird das Immunsystem aktiviert. In diesem Fall richtet sich aber die Abwehr nicht gegen Erreger von aussen, wie Bakterien und Viren, sondern gegen körpereigene Gewebe, die Gelenkinnenhaut. Eine Kettenreaktion von Prozessen, die durch Botenstoffe (so genannte Zytokine) vermittelt werden, wird in Bewegung gesetzt. Eine Entzündung wird hervorgerufen.
Normale, akute Entzündungen klingen ab, sobald die Ursache behoben ist – nicht aber die Entzündung bei der Psoriatischen Arthritis. Diese bleibt über längere Zeit bestehen, schreitet fort und nimmt einen chronischen Charakter an. Deshalb bezeichnet man diese Art von Krankheit auch als „chronisch entzündliche Erkrankung“.
Bedeutung des Immunsystems
Warum sich das Immunsystem gegen eine körpereigene Struktur richtet, ist bis heute nicht bekannt. Einiges hat die Forschung aber über die Vielfalt von Substanzen und Zellen, die im Verlaufe der Entzündungsprozesse gebildet werden, herausgefunden. Bei vielen der Botenstoffe, die Signale von einer Zelle zur nächsten übertragen, kennt man daher die Aufgabe bereits ziemlich genau. Diese Botenstoffe werden auch Zytokine genannt. Das Zytokin, das im Entzündungsvorgang eine ganz zentrale Rolle spielt, ist der Tumornekrosefaktor alpha oder kurz TNF-α. Sein Name wird seinen vielfältigen Aufgaben nicht gerecht: TNF- α spielt bei jeder Art von Entzündung eine wichtige Rolle, allerdings wurde er im Zusammenhang mit Tumoren zum ersten Mal beschrieben.
Welche Rolle spielt der Botenstoff TNF-alpha?
TNF-α wird zu Beginn des Entzündungsprozesses von Zellen des Immunsystems gebildet und führt zur Freisetzung anderer Botenstoffe, welche die Entzündung vorantreiben und unterhalten. Zusätzlich wird die Nachproduktion von TNF-α stimuliert, so dass die Entzündung immer weiter bestehen bleibt.
Typisch für Entzündungsprozesse ist auch die Wirkung auf das umgebende Gewebe. Es kommt zu Hautrötung, vermehrter Durchblutung, Schwellung der Gelenke durch Flüssigkeitsansammlung und zu Schmerzen. Diese Symptome können auch bei der Psoriatischen Arthritis auftreten: Im akuten Schub sind die Gelenke oft überwärmt und schmerzhaft geschwollen, denn das entzündete Gewebe sondert übermässig viel Flüssigkeit ab, wodurch ein Erguss entsteht.
Heilt eine akute Entzündung ab, so hinterlässt sie in der Regel keine Spuren, denn es bildet sich neues Gewebe. Ist oder wird eine Entzündung jedoch chronisch, so entstehen an den betroffenen Geweben oft bleibende Schäden. Da der Entzündungsprozess nie ganz zum Stillstand kommt, ist die Wiederherstellung des Gewebes kaum möglich. Die Entzündung betrifft zunächst die Gelenkinnenhaut und die Gelenkfläche und kann später auf den Knorpel und den Knochen übergreifen. Zudem kommt es zum Um- und Neubau des Knochens. Die Folge ist eine Versteifung der Gelenke, manchmal auch eine Fehlstellung. Auch die Knochen in der Nähe des betroffenen Gelenkes werden geschädigt.