Familienplanung 

Patientinnen und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) machen sich oft viele Sorgen, wenn sie Nachwuchs haben möchten. Kann die Partnerin überhaupt schwanger werden? Was ist, wenn es während der Schwangerschaft zu einem Schub kommt? Ist ein Stoma oder ein Pouch ein Hinderungsgrund? Können Medikamente zu Missbildungen führen?

Diese und 1.000 andere Fragen türmen sich auf und nehmen den potenziellen Eltern viel von der Vorfreude oder halten sie gar von der Familienplanung ab. Das ist schade, denn nahezu alle Patientinnen können schwanger werden und bei den meisten verläuft die Geburt normal.

Medikamente:
Wichtig zu wissen ist, dass die gesundheitliche Risiken für das Kind durch einen Schub deutlich steigen. Eine Behandlung ist daher dringend geboten.
Wenn es unter einer Schwangerschaft zu einem Schub kommt, so kann man ihn mit Glukokortikoiden, Mesalazin oder Sulfasalazin behandeln. Diese Wirkstoffe gelten während der Schwangerschaft und der Stillzeit als sicher. Weiter haben Untersuchungen gezeigt, dass das Risiko einer Fehlgeburt oder Fehlbildung bei Patientinnen unter Azathioprin nicht höher ist als bei Patientinnen, die diesen Wirkstoff nicht eingenommen hatten. Wenn eine Behandlung mit Azathioprin angezeigt ist, soll die Behandlung daher nach den aktuellen Leitlinien auch während der Schwangerschaft fortgeführt werden. Im Gegensatz dazu gibt es Hinweise, dass Kinder vermehrt Fehlbildungen erleiden können, wenn ihre Väter bei der Zeugung mit Azathioprin behandelt worden waren. Männer sollten den Wirkstoff daher drei Monate vor der Zeugung absetzen. Noch nicht ganz geklärt ist die Sicherheit von Azathioprin in der Stillzeit, auch wenn neue Daten sehr tiefe Konzentrationen in der Muttermilch nachgewiesen haben. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat. Für die TNF-Blocker (z.B Infliximab) gibt es erst sehr wenige Daten zu Schwangerschaft und Stillzeit. Eine optimale Lösung sollte mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen werden.

Keine besonderen Umstände
Dass die „anderen Umstände“ auch bei CED-Patientinnen meist keine besonderen Umstände machen, zeigt sich auch in der Statistik. Wenn der Beginn der Schwangerschaft in der Remissionsphase lag, entspricht die Zahl der normalen Geburten, der Fehlgeburten und der Anomalien bei Patientinnen mit inaktiven Verläufen nämlich der bei Frauen aus der Allgemeinbevölkerung.

Dennoch empfiehlt es sich, eine Schwangerschaft - so sie nicht „aus heiterem Himmel“ kommt - mit dem behandelnden Arzt und dem Gynäkologen zu planen und auch die möglichen Umstände der Geburt (normal vs. Kaiserschnitt) zu besprechen. Bei schwierigen Verläufen ist eine Behandlung in einem Zentrum mit angeschlossener Neonatologie (Neugeborenenmedizin) sinnvoll.

Text adaptiert aus http://www.ced-alleswasgeht.de/leben_schwangerschaft.php
Heetun, ZS et al, Aliment Pharmacol Ther. 2007 Aug 15;26(4):513-33 (Link)
Christensen LA et al. Aliment Pharmacol Ther. 2008 Nov 15;28(10):1209-13.(Link)


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