Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Was sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Die Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen wie die der Colitis ulcerosa oder die des Morbus Crohn wurden schon in früheren Jahrhunderten beschrieben. Autopsieberichte aus dem Jahre 1612 zeugen davon.

Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterschieden. Eine Fehlsteuerung des Immunsystems führt zu Entzündungsvorgängen im Körper, die wegen der mangelnden Regulation des Immunsystems chronisch werden. Im weitesten Sinne lassen sich die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen deshalb zu den Autoimmunerkrankungen zählen, weil das Immunsystem hierbei körpereigenes Gewebe – in diesem Fall die Darmschleimhaut – angreift.

Häufigkeit von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Schätzungen haben ergeben, dass etwa 0,01 bis 0,1% (ein bis zehn Betroffene auf 10'000 Personen) der Bevölkerung weltweit von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffen sind. Dabei sind pro 10'000 Personen etwa 1 bis 10 Menschen an Morbus Crohn, 2 bis 26 an Colitis ulcerosa erkrankt. Bei Frauen konnte eine geringfügige Häufung von Morbus Crohn festgestellt werden, während bei Colitis ulcerosa das umgekehrte Verhältnis beobachtet wurde. Bei den meisten Patienten tritt die Krankheit erstmals zwischen dem 15. und dem 30. Lebensjahr auf, und man zählt etwa 5 bis 15 Neuerkrankungen pro 100'000 Personen und Jahr.

Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen

Typische Symptome chronisch entzündlicher Darmerkrankungen sind lang andauernde (blutige oder unblutige) Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen, starke Gewichtsabnahme, Abszesse oder Fisteln am After, Fisteln in der Bauchdecke, Fieber, Hautveränderungen und Gelenkbeschwerden.

Je nach Krankheit – Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – treten gewisse Symptome eher auf als andere.

Diagnose von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Um die Diagnose chronisch entzündlicher Darmerkrankungen zu sichern, müssen andere ähnliche Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel Hämorrhoiden, Fissuren oder eine bakterielle oder parasitäre Infektion. Nebst Aufnahme der Anamnese durch den Arzt (Beschwerden, typische Symptome etc.) sichern endoskopische (Darmspiegelung) und radiologische Verfahren sowie die Durchführung bestimmter Labortests die Diagnosestellung. Insbesondere bei der Darmspiegelung können charakteristische Veränderungen der Darmschleimhaut festgestellt werden, die auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung hinweisen.

Die körperlichen Untersuchungen durch den Arzt

Die körperliche Untersuchung durch den Arzt ist ein wichtiges Instrument zur Diagnosefindung. Veränderungen im Bauchraum (z.B. entzündlich verbundene Darmschlingen), die Darmtätigkeit und das Vorliegen von Fisteln bei Morbus Crohn können so festgestellt werden.

Blutuntersuchung
Eine Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und des C-reaktiven Proteins (CRP) weisen auf einen entzündlichen Prozess im Körper hin. Diese Werte sind allerdings nicht spezifisch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, sondern allgemein bei entzündlichen Prozessen erhöht und dienen deshalb nur als möglicher Hinweis für chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Stuhluntersuchung
Anhand einer Stuhlprobe können Erreger im Stuhl nachgewiesen werden, was auf eine infektiöse Ursache der Symptome hinweist.

Darm- und Magenspiegelung
Die Endoskopie des oberen und des unteren Magen-Darm-Traktes (Gastrointestinaltrakt) ist ein zentraler Bestandteil der Diagnosestellung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Dabei wird das Endoskop – ein flexibles Rohr mit einer eingebauten Kamera – durch den Mund in die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm (Dünndarm) oder durch den After in den Dickdarm und Teile des Dünndarms (Darmspiegelung) eingeführt. Dadurch können die Beteiligung der entsprechenden Darmabschnitte des Verdauungstrakts, Schleimhautverletzungen, Geschwüre, Gewebsschwellungen und –rötungen ermittelt werden. Zudem können bei einer Magen- oder Darmspiegelung Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden, um mikroskopische Veränderungen zu untersuchen.

Kapselendoskopie
Die Kapselendoskopie ist ein neues Verfahren zur Untersuchung des Verdauungstrakts. Die Kapsel (Grösse 26∞11mm) wird geschluckt und wandert aufgrund der natürlichen Darmbewegung durch den Magen-Darm-Trakt, bis sie auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden wird. Während dieser Passage werden Bilder des Verdauungstrakts aufgenommen. Die Kapselendoskopie stellt eine Ergänzung der bestehenden diagnostischen Methoden dar und ermöglicht die Untersuchung von Darmbereichen, die mit dem Endoskop nicht erreicht werden können. Der grösste Nachteil dieser Technik ist, dass keine Biopsien entnommen werden können.

Ultraschall
Mittels Ultraschall können manchmal Darmwandverdickungen, Verengungen, Abszesse und Fisteln sowie Komplikationen an anderen Organen festgestellt werden.

Röntgen, MRT und CT
Anhand der Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel lassen sich typische Veränderungen einer länger bestehenden Erkrankung wie Geschwüre, Verengungen, Darmwandverdickungen und Fisteln der befallenen Darmabschnitte erkennen. Neuere Untersuchungstechniken mit Kernspin- und Computertomografie (MRT und CT) haben jedoch die konventionellen Röntgenmethoden bei vielen Fragestellungen abgelöst und ermöglichen eine frühere Diagnose von geringeren Veränderungen an Dünn- und Dickdarm.

Welche Organe können noch betroffen sein?

Neben den bereits erwähnten Symptomen kann es auch zu Beschwerden und Entzündungen ausserhalb des Darmbereiches kommen – so genannten extraintestinalen Manifestationen

 

Gelenkbeschwerden
Bei einem Drittel der Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen treten im Laufe der Zeit Gelenkbeschwerden und Gelenkentzündungen auf. Häufig betroffen sind Knie- und Iliosakralgelenke. Es können auch Entzündungen der Gelenke an Armen und Beinen sowie der Wirbelsäule auftreten.

Veränderungen der Haut
Veränderungen der Haut treten hauptsächlich in akuten Schüben der Erkrankung auf. Dabei wird zwischen dem Erythema nodosum (Entzündung des Unterhautfettgewebes mit Knötchenbildung) und dem Pyoderma gangraenosum (destruktive Hautulzeration) unterschieden.


Entzündung der Augen
Entzündliche Veränderungen des Bindegewebes (Episkleritis) oder der Iris (Uveitis) äussern sich durch Druck- oder Berührungsschmerz, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit und Verringerung der Sehkraft.


Entzündung im Mund
Aphthen sind entzündliche Schleimhautveränderungen im Mund. Sie äussern sich als schmerzhafte, bis linsengrosse, rundliche, gerötete Herde. Aphthen treten vor allem bei Morbus Crohn auf.


Entzündung der Leber- und Gallenwege
Die sklerosierende Cholangitis ist eine Entzündung der Gallengänge, die zur Einengung der grossen und kleinen Gallengänge führt. Es kommt zu Störungen des Gallenabflusses und zur Leberschädigung mit Gelbsucht. Die sklerosierende Cholangitis tritt nur selten auf.

Entstehung von Morbus Crohn?

Die Ursache chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist nach wie vor unbekannt. Man geht heute davon aus, dass die Erkrankung durch viele Faktoren verursacht wird. Eine Fehlsteuerung des Immunsystems scheint für den chronisch entzündlichen Prozess mitverantwortlich zu sein. Aus noch unbekannten Gründen richten sich die Abwehrzellen gegen körpereigene Strukturen – im Falle von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gegen die Darmschleimhaut. Da die Fehlsteuerung des Immunsystems weiterhin bestehen bleibt, wird die Entzündung ständig in Gang gehalten. Das hat eine anhaltende Schädigung der Darmschleimhaut zur Folge, die zu den für chronisch entzündliche Darmerkrankungen typischen Beschwerden führt.


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