Über Colitis ulcerosa
Was ist Colitis ulcerosa und welche Teile des Magen-Darm-Trakts sind davon betroffen?
Colitis ulcerosa (CU) ist eine chronisch entzündliche, meist in Schüben verlaufende Darmerkrankung. Die Entzündung beginnt typischerweise im Mastdarm (Rektum) und breitet sich von dort bei etwa der Hälfte der Betroffenen über den gesamten Dickdarm (Kolon) hinweg aus. Die Entzündung breitet sich dabei – anders als beim Morbus Crohn – kontinuierlich vom After her aus.
Die Colitis ulcerosa befällt vorzugsweise das Rektum und den linksseitigen Dickdarm (Kolon). Sie kann sich aber auch über den gesamten Dickdarm kontinuierlich ausbreiten. Je nach Ausdehnung der Entzündung werden unterschiedliche Formen von Colitis ulcerosa beschrieben:
Bild links: Proktitis: Nur der unterste Teil des Dickdarmes, der Mastdarm (Rektum), ist von der Entzündung betroffen.
Bild Mitte: Prokto-Sigmoiditis und linksseitige Colitis: Das Rektum und das Colon sigmoideum (Sigma) sind chronisch entzündet.
Bild rechts: Pankolitis: Der gesamte Dickdarm ist entzündet
Symptome bei Colitis ulcerosa
Je nach Schweregrad der Krankheit können bis zu 30 Stühle pro Tag ausgeschieden werden, wobei dem Stuhl Blut und Schleim beigemengt ist. Starke Bauchschmerzen, ausgehend vom Unterbauch und Schmerzen vor und unmittelbar nach dem Stuhlabgang – so genannte Tenesmen – gehören ebenfalls zu den Leitsymptomen der Colitis ulcerosa.
Die häufigen Stuhlgänge führen zu Störungen der Eiweiss-, Fett-, Vitamin- und Elektrolytaufnahme. Als Folge leiden die Patienten an Gewichtsverlust und fühlen sich müde und abgeschlagen. Fieber und eine Zunahme der weissen Blutkörperchen (Leukozytose) sind relativ häufig.
Wie äussert sich die Colitis ulcerosa?
- Blutige Durchfälle
Mehr als beim Morbus Crohn sind dem Stuhl von Colitis ulcerosa-Patienten Blut und Schleim beigemengt. Manchmal bestehen die Stuhlentleerungen sogar nur aus Blut und Schleim. Der Drang, auf die Toilette zu gehen, bleibt auch in der Nacht bestehen und kann mit Inkontinenz einhergehen. - Krampfartige Bauchschmerzen
Die starken, krampfartigen Bauchschmerzen gehen vom linken Unterbauch aus. Während den starken kolikartigen Schmerzen, den Tenesmen, entsteht der Drang zur Stuhlentleerung und die Schmerzen lassen nach dem Gang zur Toilette wieder nach. - Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
Während schwerer Schübe fehlt oft jeglicher Appetit. Die Patienten sind müde und ihre Leistungsfähigkeit ist vermindert. Durch die geringere Nahrungsaufnahme kann die Aufnahme von Wasser, Mineralstoffen und anderer wichtiger Bestandteile beeinträchtigt sein. Es kommt häufig zu Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. - Fieber
Von Fieber spricht man, wenn die Körpertemperatur höher als 38,5° C ist. Fieber ist meist ein Zeichen für ein entzündliches Geschehen im Körper.
Verlauf von Colitis ulcerosa
Colitis ulcerosa ist eine in Schüben verlaufende chronisch entzündliche Darmerkrankung. Die Dauer der weitgehend beschwerdefreien Intervalle und der Zeitpunkt eines erneuten Schubs sind jedoch nicht vorhersehbar und unterscheiden sich von Patient zu Patient. Eine komplette Ausheilung tritt aber nur in seltenen Fällen ein. Mit zunehmender Dauer der Krankheit steigt das Risiko einer Operation, wobei der gesamte Dickdarm entfernt werden muss (Kolektomie). Treten Komplikationen der Erkrankung auf, z.B. ein fulminanter unkontrollierbarer Schub, ein toxisches Megakolon oder ein Darmdurchbruch, ist eine Notfalloperation unausweichlich.
Patienten mit einem langen Krankheitsverlauf von mehr als 10 Jahren haben zudem ein erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Ist der gesamte Dickdarm von der Colitis ulcerosa befallen, steigt das Dickdarmkrebsrisiko nach 25 Jahren auf ungefähr 40%. Deshalb sollte nach 10-jähriger Erkrankung mindestens einmal im Jahr eine Spiegelung des gesamten Dickdarmes mit Gewebeprobeentnahmen gemacht werden, da sich der Krebs hierdurch wirksam im Frühstadium erkennen und folglich behandeln lässt.
Mögliche Komplikationen
Komplikationen der Krankheit betreffen hauptsächlich den Darm und treten bei weniger als 5 bis 7% der Patienten auf. Neben den oben beschriebenen extraintestinalen Manifestationen können verschiedene Komplikationen des Dickdarms auftreten.
- Das toxische Megakolon
Als Folge der starken Entzündung und Gasansammlung kann es zu einer Überdehnung der Darmwand kommen. Diese zeichnet sich durch plötzliches Aufhören der Durchfälle, starke Schmerzen, Blähungen, Fieber, Schüttelfrost und Herzrasen aus. Ohne schnelle Hospitalisierung und entsprechende Notfalltherapie kann es zu einem Darmdurchbruch und somit zu einer operativen Entfernung des Dickdarmes (Resektion) kommen. In schweren, aber sehr seltenen Fällen kann das toxische Megakolon tödlich verlaufen.

- Darmdurchbruch (Perforation)
Die Darmperforation kann als Folge der durch die Entzündung schwer geschädigten Darmwand oder des toxischen Megakolons auftreten. Die Darmperforation ist lebensbedrohlich und erfordert eine sofortige Operation. - Darmblutungen
Blutverluste aufgrund von schweren blutigen Durchfällen können meist durch Bluttransfusionen behoben werden. Eine operative Entfernung des betroffenen Darmabschnittes kann aber in Erwägung gezogen werden. - Narbenbildung (Strikturen)
Die Abheilung der Darmschleimhaut nach einem schweren Schub kann zu einer Narbenbildung führen. Diese Narbenbildung am Darm kann zu einer dauerhaften Verengung des betroffenen Abschnittes führen, die von kolikartigen Beschwerden begleitet werden kann. In schlimmen Fällen kann ein Darmverschluss die Folge sein. - Entstehung von Dickdarmkrebs
Wie oben beschrieben, nimmt das Risiko einer Dickdarmkrebserkrankung bei Colitis ulcerosa-Patienten mit langen Krankheitsverläufen von mehr als 10 Jahren zu. Deshalb sollte mindestens ein Mal pro Jahr eine Spiegelung des gesamten Dickdarmes mit Gewebeprobeentnahmen durchgeführt werden.
